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Kommentar: Hohe Holzpreise – zahlen Forstunternehmer die Zeche?
14/11/2006 - 14:37
Narjes Forstunternehmer ForstverwaltungHans-Jürgen Narjes, Deutscher Forstunternehmerverband, kritisiert die über die Ausschreibungspraxis der Forstverwaltungen. Die Forderung nach schwarzen Zahlen sei die Vorgabe der Politik an ihre ausgelagerten Landesforstverwaltungen. Die Zeche würden aber die Forstunternehmer zahlen.

Wie mittelstandsfeindlich die Praxis entgegen der Sonntagsreden aussieht, wird durch die Ausschreibungspraxis verschiedener Landesbetriebe deutlich. Das Ergebnis sind Dienstleistungspreise weit unter Kostenniveau in Hessen, Bayern und anderswo. Da kommen Stockpreise für Kiefernindustrieholz im Fläming (Sachsen-Anhalt) von 18Euro/Rm zustande, gnädigerweise zahlt einer der Giganten am Markt als Trabant der Holzindustrie dem Ernteunternehmer 9,35 Euro/Rm für Einschlag und Rücken. In der Ausschreibung einer Gesamtmenge von z.B. 40.000 Einheiten schreibt das Forstamt für den Privatwald VOL-widrig Mindestpreise vor. Das alles wird als Markt bezeichnet. Es ist aber Ausbeutung. Zuschläge erhalten die Großen der Holz verarbeitenden Industrie oder deren Ableger, die Arbeit wird durch Subunternehmer zu Dumpingpreisen von 7 bis 10 Euro ausgeführt. Von der Einhaltung der Zertifizierungskriterien und Sozialstandards ganz zu schweigen.

Fühlten sich die Landesforstverwaltungen früher verantwortlich, wird heute zum Nachteil der Unternehmer Kasse gemacht. Die Ausschreibung hat sich zu einem Werkzeug entwickelt, mit dem die Dienstleistungspreise niedrig gehalten werden können. Soziale, ökonomische und ökologische Ziele werden ignoriert, Sinn und Zweck der VOL wissentlich verletzt.
Seit Jahren und Jahrzehnten stagnieren die Dienstleistungspreise bzw. sie sind real rückläufig, sie bewegen sich auf dem Niveau der 1970- bis 1980er Jahre. Und das alles bei Kostensteigerungen um 50 bis 200%. Dass die Forstunternehmer dieser Entwicklung überhaupt standhalten, ist ihrer unternehmerischen Leistung zu verdanken und nicht zuletzt dem berühmten, eng geschnallten Gürtel. Hohe Produktivität, technischer Fortschritt bei den Maschinen, Ausbildung des Personals, Flexibilität waren und sind der Grund, dass bisher die Versorgung der Holzindustrie sicher gestellt werden konnte. Alles – und das muss klar und deutlich gesagt werden – auf Kosten und auf Risiko der beteiligten Menschen, der Familien und der Mitarbeiter.

Es ist schon schizophren: Erst durch die hohe Produktivität und Leistung der Forstunternehmer einhergehend mit der Auslagerung früher regieeigener Arbeiten und dem Stellenabbau bei Beamten und Forstwirten war eine Rechtsformänderung überhaupt möglich. Und der Dank an die Unternehmer ist die Knebelung durch Ausschreibungen.
Es stellt sich jetzt heraus, dass man bei Bewilligung der Fördermittel für die diversen neuen Werke der Holzindustrie die Rohstoffversorgung ungenau und leichtfertig ermittelt hat und eine sichere Versorgung aus heimischer Produktion nicht sicherstellen kann. Die Mobilisierung zusätzlicher Holzmengen, wie erwartet, versprochen, wissenschaftlich (?) errechnet, belegt durch die BWI 2, klappt nicht so einfach oder ist möglicherweise gar nicht umsetzbar. Zum Kleinstprivatwald Kommen schlecht- oder unbefahrbare Lagen und starke Nutzung bzw. teilweise Übernutzung der leicht befahrbaren Standorte in den mittleren Baumhölzern.
Ergo kommen mehrere Momente zusammen: Das Oligopol der Holzindustrie bei der Beschaffung des Rohholzes über Selbstwerbung. Das unverantwortliches Verhalten ehemaliger Landesforstverwaltungen. Das eingeschränkte Holzangebot aus den oben genannten Gründen. Und wie reagieren die ansässigen Forstunternehmer? Leider durch Nachgeben bis zur Selbstaufgabe.

Kann diese Entwicklung im Interesse verantwortlicher, der Waldbesitzer sein? Kaum, denn auch sie werden bei Andauer dieser Situation zu den Verlierern gehören. Ein anständiger Holzpreis muss aber allen Beteiligten zugute kommen.
Was ist zu tun?
Gegensteuern durch:
*vernünftige und sachliche Verhandlungen mit den Verantwortlichen;
*Information der Öffentlichkeit;
*Kartellklagen;
*ständige Beschwerden und Klagen gegen die Ausschreibungspraxis;
*Anfragen an die Landtage;
*Demonstrationen, z.B. durch Blockierung der Innenstädte und Autobahnkreuze mit Maschinen, Tiefladern und Forstschleppern bis die Politik erkennt, dass hier etwas nicht weiter billigend in Kauf genommen werden kann.
(Hans-Jürgen Narjes, DFUV, Forst & Technik)
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