Während die Holzwerkstoff- und Papierlobby auf politischer Schiene versucht, den Energieholz-Boom in die Schranken zu weisen, überlegen sich Maschinenbauer, Forstunternehmer und Wissenschaftler der TU München, wie man mehr Holz aus dem Wald bekommt. Auf dem 11. Forstlichen Unternehmertag in Freising am 22. März in Freising konnte Alexander Eberhardinger, Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft, von ersten positiven Ergebnissen eines Praxisversuchs mit Mehrfachfällköpfen im Schwachholz berichten. "Die Kostendeckung ist möglich", zog der Lehrstuhlmitarbeiter ein erstes Fazit.
Holzwerkstoff- und Papierindustrie auf der einen sowie Holz-Heizkraftwerke auf der anderen Seite konkurrieren beim Waldindustrieholz häufig um dieselben Sortimente. Die besonders in Skandinavien immer beliebteren Mehrfachfällköpfe könnten die Schwachholzernte am unteren Ende des bislang ungenutzten Durchmesserspektrums nutzen. Das bislang im Rahmen von Pflegeeingriffen eingeschlagene Holz unterhalb von 10 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) verbleibt bislang auf den Flächen.
Mehrfach- oder Sammelfällköpfe könnten den Herstellern von Waldhackschnitzeln eine neue Rohstoffbasis eröffnen.
Alexander Eberhardinger hatte den Sammelkopf "Naarva Grip 1500-25e" des finnischen Herstellers Pentin Paja in einem überdichten Fichtenbestand im Ebersberger Forst östlich von München getestet. Der durchschnittliche BHD lag bei nur 8,5 cm. Für den Test wurde der Kopf an einen Valtra Forstschlepper 12e mit Kronos Kran 5000 aufgebaut. Die Zugmaschine hat mit 80 l/min eine ausreichende Ölleistung. Die 7,5 m Reichweite konnten in dem überichten Bestand nicht ausgenutzt werden. Maximal konnte der Fahrer das Aggregat über die provisorischen Joy-Stick-Ergänzungen 5 m seitlich im Bestand positionieren.
Insgesamt ließ Eberhardinger 3 Rückegassen mit einer Länge zwischen 75 m und 250 m anlegen. Insgesamt wurden 300 srm entnommen, der Großteil vom Gassenaufhieb. Inklusive Hacken kommt Eberhardinger trotz geringer Übung des Fahrers auf Gesamtkosten von 12-14 €/srm Waldhackschnitzel. Bei einem Waldhackschnitzelpreis von 16 €/srm (nach Angaben von CARMEN) im vierten Quartal 2006 (aktuell 10-12 €/srm) wäre das Verfahren Gewinn bringend. Stefan Wittkopf (ehem. Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Freising) kam in seinen vielfältigen Untersuchungen zur Waldhackschnitzelproduktion auf Kosten zwischen 10 und 18 €/srm. Zeitstudien hatten eine Produktivität für Fällen und Vorkonzentrieren mit dem Mehrfachfällkopf von 11,7 srm/Stunde ergeben. Der Schlepper mit Rückeanhänger kommt auf durch das vorkonzentrierte Holz auf eine Leistung von 30 srm/Stunde.
Eberhardinger hatte mehrere Verfahren getestet:
1. Einzelbaumverfahren
2. Bündelverfahren
3. Gleichzeitiges Trennen mehrerer sehr eng stehender Bäume
4. Krone/Stamm-Verfahren: Um das Holz leichter manipulieren zu können, werden zuerst mehrere Kronen hintereinander abgetrennt und dann die Stämme.
Für die Rückung ist es notwendig, dass die Stämme noch einmal gekürzt werden. Das Krone/Stamm-Verfahren eignet sich besonders bei Stammdurchmessern >13-15 cm BHD, da die Bündelfunktion dann an ihre Grenzen stößt. Die Kronen dieser Bäume sammelt der Fahrer in einem Arbeitsgang ein. Die Stämme werden einzeln abgezwickt und auf die Raubeigen abgelegt. Oberhalb von 15 cm steigt der Zeitbedarf stark an, da der Stamm oft nicht in einem Arbeitsgang von dem Messer durchtrennt werden können. Bei den Untersuchungen von Eberhardinger hatte das Krone/Stamm-Verfahren mit 41% den höchsten Anteil. Der Hersteller gibt den maximalen Fälldurchmesser mit 25 cm an.
Das Aggregat von Pentin Paja arbeitet mit nach dem Schweren-Prinzip. Der Stamm wird von den Greifern gefasst. Am Aggregatsfuß schließen sich zwei Zangen als Gegenhalter für das hydraulische Messer. Diese drückt mit 95 kN den Stamm gegen die Zangen und durchtrennt ihn so.
Neben der Jungbestandpflege sieht man beim Lehrstuhl für forstliche Arbeitswissenschaft in Freising-Weihenstephan für den Kopf Einsatzmöglichkeiten in der Landschaftspflege (Straßenbegleitgrün) oder beim Freischneiden von Stromleitungen. "Neben der Holzmarktsituation muss man auch die waldbaulichen Ziele im Auge behalten", rechnet Eberhardinger die defizitären Pflegekosten dem Bündel-Aggregat gegen.